Spezialitätenkaffeekultur

Spezialitätenkaffeekultur

Die Spezialitätenkaffeekultur fand ihren Ursprung in den 70er Jahren in den USA und hat Australien, Neuseeland, Skandinavien, England und Deutschland eingenommen. Diese Entwicklung wird von vielen auch als “Third Wave Coffee” bezeichnet.

  1. Welle: Seit dem 16. Jhd., in dem man begann Kaffeebohnen zu rösten, wurden Kaffeemehl und Gewürze, wie Kardamom und Zimt, in verschiedensten Zeremonien mit kochendem Wasser vermischt. Der Genuss stand noch nicht im Vordergrund. Anbau, Züchtung, Ernte und Röstung waren sich selbst genug. Vielmehr wurde Kaffee in der Medizin und für religiöse Praktiken verwendet. Er erfreute sich aber aufgrund seiner aufputschenden Wirkung schnell wachsender Beliebtheit, die zum Entstehen erster Kaffeehäuser in der islamischen Welt führte. Im 17. Jhd. gelangte der Kaffee nach Europa, wo sich Franzosen 1710 erstmals Kaffeepulver in Stoffbeutel füllten, diese mit kochendem Wasser übergossen und so die Aufgussmethode erfanden. Dann stritt man in Europa lange über schädliche Nebenwirkungen des Kaffeekonsums. Zeitweilig wurde der Genuss von Kaffee von Friedrich dem Großen aus politischen Gründen in Preußen sogar verboten, aber sein Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten.
  2. Welle: Epochale Veränderungen in der Kaffeezubereitung brachte das 20. Jhd. mit der Einführung von Dampfdruck durch Luigi Bezzera, dessen erste Handhebelmaschine 1901 in Serienproduktion ging. Nach Erfindungen wie dem Wärmetauscher und der E 61 Brühgruppe in den 60er Jahren, wurde die Zubereitung von Kaffee dann nur noch behutsam perfektioniert.
  3. Welle: Mit Unzufriedenheit an der Gesamtsituation begann die „dritte Welle“ in den 70ern und führte zu Verbesserungen auf allen Stufen der Produktion. Kaffeeanbau, Ernte und Verarbeitung erfahren jetzt größere Aufmerksamkeit durch den Aufbau enger Beziehungen zwischen Farmern, Händlern und Röstern (Direct Trade). Wichtigste Ergebnisse des neuen direkten Handels sind qualitativ hochwertigere Bohnen, umweltschonendere Anbau- und Verarbeitungsmethoden sowie eine angemessenere Entlohnung der Farmer. Aufgrund der so entstandenen neuen Qualitäten erfuhr der Filterkaffee seine Renaissance. In der Zubereitung wurden Röstverfahren und Arbeitstechniken verbessert und technische Weiterentwicklungen, wie Dualboilersystem, PID, Scace Device, offene Siebträger, VST Siebe und Extract MoJo eingeführt. Für Kaffeebegeisterte, bei denen Kaffeebohnen einen ähnlichen Stellenwert, wie Schokolade oder Wein haben, sind Anspruch an Qualität und kontinuierliche Weiterbildung selbstverständlich geworden. 

Im Gegensatz zum herkömmlichen "Commercial Coffee" oder "Industriekaffee", der industriell angebaut und an der Börse gehandelt wird, existiert im Speciality Coffee durchweg Transparenz (alle Bohnen sind bis zur jeweiligen Farm zurückverfolgbar), wird auf Giftstoffe im Anbau verzichtet, werden statt Konzernen die daran arbeitenden Menschen besser bezahlt und es wird in der gesamten Kette auf größtmögliche Qualität und Frische hingearbeitet. Im Ergebnis erfährt man mit einer Tasse nicht nur, wie Kaffee schmecken kann, sondern verbessert auch die Umweltsituation und die sozialen Lebensbedingungen in den Anbauländern.

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